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21. Schlosskonzert Tegernsee

Zum 21. und 22. Schlosskonzert im Jahr 2025 lud Herzogin Anna in Bayern sowohl die MusikerInnen des BRSO am 23.09 als auch die StipendiatInnen der BRSO-Akademie am 24.09.2025 ein. Auf diese Termine im September eines jeden Jahres freuen sich die Eingeladenen, KünstlerInnen wie ZuhörerInnen, denn der musikalische Ausflug an den Tegernsee ist für uns Alle zu einem liebgewordenen Saison-Beginn geworden – die Plätze sind schon lange im Voraus heiß begehrt und schnell vergeben!

Den Anfang machte heuer ein junges Streichtrio des BRSO, das nach der so herzlichen Begrüßung durch die Gastgeberin noch auf die einführenden Worte des FSO-Vorsitzenden Wolfgang Gieron wartete. Stand da doch neben Franz Schubert und Ludwig van Beethoven ein nicht vielen Zuhörern bekannter Komponist, nämlich Ernö (=Ernst) von Dohnanyi in der Einladung, der auf die erklärenden Worte eines Werke-Kenners wie Wolfgang Gieron wartete. Dann endlich konnten Stefano Farulli (Violine), Christa Jardin (Viola) und Simone Drescher (Violoncello) beginnen.

Franz Schuberts nie vollendetes Streichtrio D 471 mit dem einzigen Satz Allegro (vom zweiten sind nur wenige Takte bekannt), war eigentlich nur für den „Hausgebrauch“ geschrieben worden: wenn nämlich die Familie Schubert daheim Kammermusik pflegte (mit Franz Schubert an der Viola). Unerklärlich bleibt bis zum heutigen Tag, warum dieses Trio nicht vollendet wurde. (Kenner weisen auf den übermächtigen „Schatten“ Mozarts, Beethovens und auch Haydns hin, der wohl das Schaffen von Franz Schubert in vielen Bereichen „hemmte“, denn die Streich-Quartette und Quintette wurden später doch große Erfolge).

Diesen ersten Satz aus op. D 471 spielte das BRSO-Streich-Trio so souverän und einfühlsam, dass man als Zuhörer gar nicht auf die Idee kam, hier jungen MusikerInnen zuzuhören, die teilweise noch vor nicht allzu langer Zeit selbst der BRSO-Akademie angehörten.

Das letzte Streichtrio in c-moll op.9,3 von Ludwig van Beethoven mit den vier Sätzen Allegro: con spirito, Adagio: con espressione, Scherzo: Allegro molto e vivace, Finale: Presto zeigte eine ungeheure Energie sowie einen leidenschaftlichen Ton; in c-moll, einer Lieblingstonart Beethovens komponiert (Beispiele dafür: die 5. Symphonie, drei der 32 Klaviersonaten haben diese Tonart, darunter so berühmte wie die Pathétique, „Les Adieux“ - 2. Satz- und eine der schwersten Sonaten wie die letzte „op.111“, dazu das 3. Klavier-Konzert, ein großes Kammermusikwerk wie das Streichquartett op.18 Nr.4, das Klaviertrio op.1, Nr.3.). Im Gegensatz zum 1. Satz bringt der 2. Satz, das Andante in C-Dur, Ruhe und Frieden, mit einem „lebhaften“ Einschnitt in Es-Dur in der Mitte dieses Satzes.

Mit viel Spannung wurde die Serenade von Ernö (= Ernst) von Dohnanyi (1877-1960) erwartet, denn dieser Komponist genießt gewiss nicht die ihm gebührende Bekanntheit und Aufmerksamkeit. Als Zeitgenosse von Bela Bartok und Zoltan Kodaly gehörte er zu den führenden Musikern und Komponisten Österreich/Ungarns um die Jahrhundertwende bis in die 1930-er Jahre. Wie seine Kollegen studierte der aus Preßburg (heute Bratislava) stammende Dohnanyi an der Budapester Akademie Klavier und Komposition und lernte viele berühmte Komponisten dieser Zeit kennen: wie z.B. Johannes Brahms, der persönlich Dohnanyis 1. Klavierquintett nach Bad Ischl bestellte, um vom dort weilenden Boston-Symphonie-Orchester mit Arthur Nikisch, einem Klavier-„Star“ der damaligen Zeit, dieses Quintett aufführen zu lassen. Bemerkung von Brahms nach der Aufführung: ...“das hätte auch ich nicht besser schreiben können“- Ab 1895 - damals 18 Jahre! - errang Dohnanyi große Erfolge, wurde später u.a. Hochschullehrer, Rektor, Leiter der Rundfunk-Kulturpolitik und eine einflussreiche Person des öffentlichen Lebens. 1902 komponierte er im Alter von 25 Jahren die heute fast vergessene „Serenade für Streichtrio“ in fünf Sätzen, die hoffentlich in Kürze wieder öfter aufgeführt wird!? 1944 zwang ihn das NS-Regime Horthys in die Emigration nach New York, wo er 1960 starb. Er hat seine Heimat Ungarn, ebenso wie Bartok, nie wieder gesehen.

Dankbarer, kaum enden wollender Beifall für diese drei großartigen jungen KünstlerInnen. Die Cellistin Simone Drescher wurde von ihren beiden MitspielerInnen nach dem Konzert sofort zum Zug nach München gebracht, damit sie nachts noch einen Anschluss nach Leipzig für eine Vorstellung am nächsten Abend erreichen konnte. Deswegen war es unserem Trio bedauerlicherweise auch nicht möglich, am nachfolgenden Zusammensein teilzunehmen, zu dem unsere Gastgeberin Herzogin Anna wieder großzügig in den Vorraum des Konzertsaales eingeladen hatte.


Text und Fotos: Barbara Klingan


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