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22. Schlosskonzert Tegernsee
Beschwingt von der unglaublichen Aufführung am Tag zuvor, als drei junge BRSO-MusikerInnen uns mit Werken von Franz Schubert, Ludwig van Beethoven und Ernö von Dohnanyi begeistert hatten, ahnten wir nach der herzlichen Begrüßungs-Rede unserer Gastgeberin Herzogin Anna noch nicht, dass 13 junge StipendiatInnen der BRSO-Akademie uns wieder einen hinreißenden musikalischen Abend bereiten würden.Schon die Willkommensrede von Josefine Schäfer aus der Akademie zeigte den in dieser gesamten Gruppe vorhandenen Humor, der dann noch vom Flötisten Jona Mehlitz als zweitem Moderator verstärkt wurde. In unterschiedlichsten Besetzungen wurden uns Werke von W.A. Mozart, Johannes Brahms, Johann Baptist Georg Neruda und August Klughardt vorgestellt. Letztere konnten wirklich fast nur musikalisch „Eingeweihte“ kennen, denn deren Werke sind nicht gerade häufig, wenn überhaupt, auf den öffentlichen Spielplänen zu finden, teilweise sogar verschollen! Jona Mehlitz entpuppte sich an diesem Abend neben Josefine Schäfer nicht nur als witzig-unterhaltsamer Moderator, sondern auch zweimal als ein Flötist, der seine MitspielerInnen Katharina von Behren (Violine), He-Yuan Cheng (Viola) und Thomas Haas am Cello in Mozarts Flötenkonzert Nr.1 in D-Dur, KV 285, förmlich mitriss. Es war ein wirklich beschwingter, hochmusikalischer Einstieg in einen erlebnisreichen Abend! Auch der zweite, langsame Satz (Adagio) des Brahms-Quintetts für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello mit Jakob Plag als Klarinettist und dem „Austausch“ der beiden Violinen mit nunmehr Joao Marinho und Esther Frey, war ein Genuss! Vorher hatte uns Jona noch erzählt, wie er die Proben zu diesem Brahms-Quintett erlebt, wie er sie in seinem Zimmer in der Akademie im wahrsten Sinn des Wortes „belauscht“ hatte, so dass auch wir als Außenstehende einen Blick in diese immer wieder beeindruckende Gemeinschaft der Akademie (durch tägliches Zusammenleben) werfen durften.
Johann Baptist Georg Neruda ist ein böhmischer Violinist, Kapellmeister und heute fast vergessener Komponist der sogenannten „Vorklassik“, 1707 in Prag geboren. Nach einigen Jahren in Prag wirkte er über 20 Jahre ab 1741 in Dresden, davon mehr als 20 Jahre in der Dresdner Hofkapelle. Er starb dort, als er sich bereits früh ins Privatleben zurückzog, schon im Jahr 1780.
Viele seiner knapp 100 Werke, die Neruda komponiert haben soll, sind heute verschollen, obwohl im 18. Jahrhundert Kopien seiner Werke in Böhmen, Deutschland und Schweden verbreitet wurden. Seine hauptsächlich komponierte Instrumentalmusik zeigt deutlich nicht nur italienischen Einfluss, sondern auch den der sogen. „Mannheimer Schule“, der ihn zu vielen seiner Kompositionen angeregt haben soll.
Fabian Kurpiela, Trompete, zeigte in seiner Darbietung der heute noch bekanntesten (und eigentlich für „corno di caccia“, Jagdhorn, geschriebenen) Komposition sein Können. Vor diesem Stück erklärte uns Jona noch, dass an diesem Abend Fabian extra für dieses Konzert auf dem Jagdhorn spielen würde, wie es der Komponist ursprünglich geplant hatte. Dazu wurde uns erklärt, dass das Mundstück gleich wie bei der Trompete sei, die „Luftsäule“, also die Länge des Rohrs, ähnlich; der Ton aber sei „besonders warm“. Davon konnten wir uns bei den folgenden drei Sätzen Allegro (festlich, strahlend), Largo (ruhig, cantabel), Vivace (schwungvoll, tänzerisch) selbst überzeugen; und der große Beifall der Anwesenden gab ihm mit seinen BegleiterInnen (Katharina von Behren mit Joao Marinho, beide Violine, He-Yuan Cheng, Viola, sowie Thomas Haas am Violoncello und Zipeng Dou am Kontrabass) für diese außergewöhnliche Interpretation mit anhaltenden Ovationen Recht!
Den Schluss bildete ein Bläserquintett von August Klughardt, wirklich nur wenigen Anwesenden bekannt. Jonas‘ Moderation machte uns mit dem Komponisten bekannt, “...dem letzten deutschen Komponisten aus der Gattung der Romantiker“, wie er sich ausdrückte. August Klughardt (1847-1902), der ein Zeitgenosse von Brahms und Liszt war, den er als Musikdirektor in Weimar kennenlernte, komponierte u.a. 4 Opern und 6 Symphonien, besonders gern aber Kammermusik. 1901, ein Jahr vor seinem Tod, entstand dann das als letztes auf dem Programm stehende und vom BRSO-Soloflötisten Lucas Spagnolo mit Elias Zumbühl, Oboe, Jona Mehlitz, Flöte, Jakob Plag, Klarinette, Simon Moosrainer, Horn und Shao-Jung Wang, Fagott einstudierte Bläserquintett in C-Dur. Zwar wird vielfach behauptet, dass Klughardt wohl sehr im Schatten der großen Komponisten wie Brahms gestanden hätte, aber Kenner bezeichnen seine Musik durchaus als „vielseitig und aussagekräftig“. Dies wollten unsere AkademistInnen mit dem Abschluss ihres Konzertes auch den Gästen zeigen. Besonders bedankten sie sich in ihren abschließenden Worten für die tatkräftige Unterstützung des FSO, beim eigenen Förderkreis wie auch bei den „Kollegen“ des BRSO, allen voran dieses Mal Marije Grevink sowie Lucas Spagnolo und dem Trompeter Thomas Kiechle. Dazu auch bei dem Cellisten Till Schuler, selbst noch bis zum Sommer 2025 in der BRSO-Akademie!
Unsere überaus großzügige Gastgeberin Herzogin Anna beschenkte wie schon am Vortag diesmal unsere StipendiatInnen mit einem hervorragenden, inhaltlich sehr geschätzten „Überlebens-Paket“. Dazu lud sie auch an beiden Tagen all ihre Gäste, - darunter auch die JUNGEN FREUNDE des FSO! - nach den Konzerten zu einem Umtrunk mit Sandwiches ein. Die dabei möglichen Gespräche mit den jungen MusikerInnen waren für viele eine zusätzliche Freude. Besonders herzlichen Dank aber von uns Allen an unsere Präsidentin Herzogin Anna, die uns seit vielen Jahren mit diesen Einladungen schon Vorfreude auf die kommende Konzert-Saison bereitet!
Text und Fotos: Barbara Klingan












